Fahrradfahren in Irland
Träumt ihr davon, den Great Atlantic Way in Irland mit dem Fahrrad zu fahren? Oder eine Fahrradreise? Wir waren vier Wochen mit Womo und Fahrrad in Irland unterwegs und möchten euch von unseren Fahrraderfahrungen berichten...

Irland ist kein Fahrradland. Und wird es auch erstmal nicht werden, denn überall in Irland wird gesiedelt. Es gibt wunderbare einspurige Straßen, die für den Radverkehr geeignet wären, aber an fast jeder Straße wohnen Menschen, so dass fast überall regelmäßig Autos fahren. Diese Straßen sind meist kurvig und hügelig und so schmal, dass es in regelmäßigen Abständen Ausweichbuchten gibt. Aber so richtig Spaß machte uns das nicht. Auch zweispurige Straßen sind schmaler als unsere Straßen. Maximales Tempo ist meist 80 Km/h, auch wenn das vom Autoverkehr nicht ausgereizt wird, war das nicht angenehm. Dafür haben manche Schnellstraßen, besonders im Osten Irlands, Radwege, aber schön ist es nicht, neben dem schnellen Autoverkehr zu fahren.
In Irland besitzen fast nur Menschen in den größeren Städten ein Fahrrad. In Städten wie Dublin, Derry, Cork oder Galway gibt es einige Radwege und es wird Fahrrad gefahren. Die gab es, als ich 1981 schon einmal in Irland war, noch nicht. Wir haben bemerkt, dass Irland das gleiche Problem damit hat wie Deutschland: Es gibt Straßen und es gibt Fußwege. Wie lässt sich dazwischen ein attraktives, sicheres Radwegenetz aufbauen? Das ist meistens nicht gelungen. Wir sind in Cork eine Ausfallstraße entlanggefahren, auf der wir von schmalen Radstreifen mitten in den zweispurigen Verkehr wechseln mussten oder an einem Kreisverkehr plötzlich zu Radschiebern auf dem Fußweg wurden. In Dublin haben wir Rundumgrün-Ampeln für den Fußverkehr erlebt, der Radverkehr durfte das Rundumgrün jedoch nicht nutzen. Rechts abbiegen an Ampeln bedeutet in Irland für Radler meistens drei Rotphasen, und Irland hat sehr lange Ampelphasen…
Wo also lässt es sich in Irland attraktiv Fahrrad fahren? Wo fahren irische Familien Fahrrad? In Irland gibt es Greenways. Manche auf Eisenbahntrassen, andere auf Treidelpfaden, wieder andere sind großzügige Radwege neben Autostraßen. Wir freuten uns sehr, als wir das entdeckten und fuhren als erstes die im Reiseführer beworbene Tralee-to-Fenit Greenway. War die wirklich nur 14 km lang? Ja. Und bei jeder Einfahrt zu einer Weide, bei der der Greenway die Einfahrt querte, gab es große Tore als Doppelsperrgitter. Wir lernten auch, dass Iren zu Greenways mit dem Auto auf den Greenway-Parkplatz fahren, entweder Räder mieten oder ihre eigenen Räder abladen um ein Stündchen Greenway zu fahren. Für unsichere Kinder eine tolle Gelegenheit, Radfahren zu lernen. Mehr Infos auf https://greenwaysireland.org oder www.irishcyclingcampaign.ie/greenway
Viele irische Greenways sind nur 5 – 10 km lang. Wir sind auf 9 Greenways Fahrrad gefahren, am besten hat uns der abwechslungsreiche Newry-Carlingford Greenway gefallen, der Nordirland mit der Republik Irland verbindet und an einem tidenabhängigen Meeresarm entlangführt, der Rückweg sah bei Niedrigwasser ganz anders aus. Oder war der Great-Western-Greenway schöner, der immer wieder großartige Ausblicke auf das Meer, die Buchten und Achill Island bot?
Außer auf Greenways sind wir häufig vom außerhalb geparkten Womo mit Rädern ins Zentrum einer Stadt gefahren. Wir haben sehr viele Schilder gesehen, die auf 1,50 m Abstand zum Fahrrad hinweisen. Und haben einen großen Vorteil des Radfahrens in Irland erlebt: Viele Autofahrer überholten sehr rücksichtsvoll, ließen uns großzügig die Vorfahrt oder reagierten freundlich, wenn wir mal wieder rechts und links verwechselten oder das Rechtsabbiegen nicht richtig hinbekamen.
Um auf den Radweg Nr. 1, den Great Atlantic Way zurückzukommen: Der verläuft häufig auf der Great Atlantic Road, also auf der Straße für den Autoverkehr. Dort, wo es kleine Straßen gibt, verläuft er auf diesen kleinen Straßen, das ist nach unseren Beobachtungen meistens mit mehr Kilometern und Höhenmetern verbunden. Durch das ständige Auf und Ab wird es nie langweilig, und die Landschaft ist wirklich grandios. Für fitte und erfahrene Radelnde.
Elisabeth Steinfeld, ADFC Neu Wulmstorf


